Ganz Deutschland mag Kävels Platt, Teil II

21. September 2009

Am 1. März 09 habe ich eine Übersicht der deutschlandweiten Zugriffe auf www.kävelsplatt.de veröffentlicht. So sah das damals aus:

deutschlandkarte_010309

Heute habe ich noch mal einen Blick in die Statistik geworfen und erfreulicherweise festgestellt, dass noch mehr Leser aus der ganzen Republik dazugekommen sind. Das ist der heutige Stand:

Deutschlandkarte_210909

An dieser Stelle also mal: Vielen Dank an alle Leser! :-)

Dat gej’t waett (Johannes Derks)

19. September 2009

Kom benne, wej motten nit hier bütte stohn,
ek kos ons gau aen Taesske Koffie maoke.
En Ürke haej Tid – dann köj’a waer gohn -
on wej koenne öwer det on dat quaoke.

Wej sün ons völ’ste saelde, denk ek maej,
wej kossen ons doch hier on dor es traeffe.
Op de Dür allean, dat woar doch schaej,
on bej den Aerbejt blos knojen on kaeffe.

Ek freu’ mej ömmer, wenn ek ow es sünn,
woröm dat so es, kann ek ow nit saegge.
Staendig denk ek aen ow, egaol wat ek dün,
dat mot doch waell aen ow Waese legge.

Dat häw ek ow al laenger es saegge welle
- man es doch ok söns nit so ärg verlaege -
gej soelt et weate bevör et de Lüj vertaelle
on ek hoap doch, gej hät nex dorgaege.

Et es ken Wonder dat ek so blijgemut sin,
wat gej weate mot es gesagg van mej
on wat anders fällt mej so gau ok nit in.
Aewel saegg doch, wat denkt dann gej?

Kävels Platt weltweit

11. September 2009

Kürzlich schrieb mir eine gebürtige Kevelaererin, die mittlerweile in Berlin wohnt, dass sie mit ihrer Familie jedes Jahr am St.Martinstag “Wor hör ek thüss” singt – und diesen Brauch selbst in den Zeiten pflegte, als die Familie im fernen Kanada lebte. Es freut mich zu hören, dass das Kävels Platt so noch lebendig gehalten wird!

Haben Sie vielleicht Ähnliches zu berichten? Ich würde mich freuen, davon zu hören! :-)

“Kur-Zentrum” von Willi Rommen

16. August 2009

Et wirt överlacht, lang ess et all her,
in Kävele mot en Kur-Zentrum her.
Op de Hüls, dor soll dat Deng well stohn,
völ Tid ess dabej all in et Land gegohn.

Man hät lang öwerlacht, gedohn, gemete,
doröwer soll man dat bohre niet vergete.
Op ens koam erne Bohrer, gebohrt wird ör later,
sej wolle ja komme op völ Water.

Et wird ja gebohrt, so märnege Stond,
op ens was et geschafft, sej koame op Grond.
Op ens spödde Water ütt et Rohr,
et water wass get, et Water wass kloar.

Lang ess et all her, et wird völ dröm geschrewe,
ek hop, dat ek et kann noch erlewe.
Dat et Kur-Zentrum op de Hüls entstett,
dat wass vör Kävele on Ömgebung so nett.

“Minn Heimatstädche”

05. August 2009

Wie im ersten Eintrag dieses Blogs schon erwähnt, sollen hier auch Leute aus den einzelnen Ortschaften zu Wort kommen – nicht nur Einwohner von “Kevelaer-City”. Dankenswerterweise hat mir Gerhard Hanenberg aus Kervenheim das Heftchen “Dönekes üt Kervenheim än Drömherröm” mit seinen Texten und Gedichten zur Verfügung gestellt. Kervenheim ist hiermit also vertreten!

Als Erstes veröffentliche ich hier sein Gedicht “Minn Heimstädche” aus dem Jahr 1980:

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Kävels Platt als kleverländischer Dialekt

03. August 2009

Die Dialekte am unteren Niederrhein und in einem unmittelbar benachbarten Streifen der Niederlande bilden zusammen die kleverländische Dialektgruppe. Typisch kleverländische Wörter sind beispielsweise Ääk ‚Essig’, Look ‚Zwiebel’, Stääkbes ‚Stachelbeere’ oder Steekelferke ‚Igel’. Auch Pock ‚Schwein’ ist hier beheimatet.

Kleverlaendisch_web-300Für die Abgrenzung vom Westfälischen (im Osten), vom Südniederfränkischen (im Süden) und vom Brabantischen (im Westen) bieten sich drei Linien an. In den westfälischen Mundarten hat man den „Einheitsplural“, es gibt es nur eine Entsprechung für hochdeutsches ‚wir fliegen’, ‚ihr fliegt’ und ‚sie fliegen’: Die westfälische Einheitsform endet auf -t, sie ist östlich der „Issellinie“ beheimatet. Das Kleverländische endet im Süden an der berühmten „Uerdinger Linie“, die nördliches eck und südliches ech ‚ich’ trennt. Eis (standardniederländisch ijs) heißt im Kleverländischen Iss oder Ies: In den Wörtern, in denen in den brabantischen Dialekten aus einem ursprünglichen langen i ein Zwielaut (Diphthong) geworden ist, hat das Kleverländische das i (lang oder kurz) bewahrt. Auf der Karte ist die Grenzlinie zwischen kleverländischem Iss/Ies im Osten und den brabantischen Formen im Westen eingezeichnet.

Auf der niederländischen Seite der Grenze kann man also die Dialekte im Norden der Provinz Limburg (Venlo, Venray, Gennep), im Nordosten der Provinz Noord-Brabant (zwischen Gennep und Grave), im Gebiet um Nimwegen und die Dialekte des Liemers (um Zevenaar) zum Kleverländischen rechnen.

Südlich von Kleve ist die sogenannte Pfälzische Dialektinsel eingezeichnet. Sie umfasst die drei Dörfer Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf, in denen Dialekte gesprochen werden, deren Wurzeln im Hunsrück liegen. Entstanden ist die Dialektinsel, nachdem sich hier 1741 Menschen angesiedelt haben, die eigentlich nach Amerika auswandern wollten, aber von den niederländischen Behörden an der Weiterreise gehindert worden waren. Es ist erstaunlich, wie stark sich die Dialekte dieser drei Dörfer noch heute vom Kleverländischen unterscheiden.

Innerhalb des Kleverländischen gibt es unüberhörbare Dialektunterschiede, oft von Dorf zu Dorf. Das Kevelaerer Platt geht mal mit dem Norden, mal mit dem Süden. In Wörtern wie Iss, Titt „Zeit“, bitte „beißen“ oder schmitte „schmeißen“ hat der Dialekt Kevelaers wie in Kleve das kurze i. In Nieukerk sagt man dagegen Ies, Tiet, biete, schmiete. In Goch oder Kevelaer ist Hüss „Haus“ oder Krütt „Kraut“ zu hören, in Straelen oder Vluyn Huus oder Kruut. Je weiter man nach Norden kommt, desto häufiger wird das ü: brunn „braun“ ist Kävels Platt, brünn gehört in die Klever Ecke.

Nord-Süd-Staffelungen prägen das Kleverländische. Eck „ich“ und minn „mir/mich“ sind im Norden beheimatet, in Kevelaer sagt man eck und mej, weiter südlich dann eck und mech. In Krefeld, unmittelbar südlich der Uerdinger Linie also, sind ech und mech zu hören, die aber schon rheinisch, also wie esch und mesch, klingen.

Zu den prägenden, wenn auch vielleicht nicht besonders auffälligen West-Ost-Gegensätzen im kleverländischen Dialektgebiet gehören Fälle wie bitte – bitten „beißen“, lope – lopen „laufen“ oder Menze – Menzen „Menschen“. In Kevelaer wird das alte n im Auslaut (mit bestimmten Ausnahmen) weggelassen, das in den meisten Dialekten am rechten Niederrhein und auch im Raum Moers regelmäßig erhalten ist. ,Gän Berge schnejbelaeje’ und ,Voerbej an grote Staeje’: Wer in Kevelaer kennt sie nicht, diese beiden Verse aus der ersten Strophe des Heimatliedes von Theodor Bergmann. Im Osten des Kleverländischen könnten sie gar nicht reimen, weil dort Staeje „Städte“ und belaejen „beladen“ nebeneinander stehen würden.

Georg Cornelissen
(LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn)

Nierswanderwäg (Willi Rommen)

17. Juli 2009

Kriegt gej et Sondags ess in de Kopp,
en schmitt de Fiets op et Auto drop.
Gej mot ja henn, en ok wär tröck,
dröm parkt et Auto in Wesse an de Bröck.

De Fiets van et Auto, öwer de Stroot ganz schräg,
de Trapp heronder op de Nierswanderwäg.
Dann geht et loss, so gut jeder kann,
met de Fiets geht et op Wees opan.

In Wees dör den Dierpark, an de Sportplätz vorbej,
wej komme int treje, et Gedräng ess vorbej.
Gej sütt noch meer Fietsers, wo komme sej all her,
wej halde et evkes bej Jan an de Fähr.

En Körnche en Bierke, dat mot ja well sinn,
dann träje wej werr kräftech in de Pedale herin.
Kalbeck sütt man in et vorbejfoahre noch,
dann geht et wier in Richtung Goch.

Van Goch geht et dann wier in Richtung Palz,
de Tong hängt ons langsam ütt den Hals.
Bej de “Sandwirt” stocke wej ok noch aan,
enn Schlückske wört dor noch gedaan.

Dann gett et wier, ohne erne Wessel,
van wiets sütt man dat Dörpke Kessel.
In Kessel, dat mot gej all ja weete,
wärt dann Meddags Spargel gegeete.

Nor et Eete erne lekkere Affsacker noch,
dann geht et wär tröck in Richtung Goch.
Kommt later gej in Wesse wär aan,
dann häch gej en moje Fietstour gedaan.