St. Martin und der Vogel

Kürzlich erreichte mich folgende Anfrage per Mail:

„Sagen Sie mir nur, ob es in und um Kevelaer ein Martinslied gibt/gab, in dem ein Vögelchen eine Rolle spielt. Der Liedtypus „Sinter Mätes Vögelsche“ war am Niederrhein und bis ins Bergische Land sehr verbreitet.“

Weiß da jemand weiter? Dann gerne einen Kommentar zu diesem Beitrag abgeben. Vielen Dank!

Waette, hen on tröck 1948 (Johannes Derks)

Met Opa wor ek noar dän Baohnhof gegohn,
öm met dän Zug noar Waette te faohre.
Dor sin wej twee aen de Gleijse gestohn
on ek was nie so opgeregt in min 5 Joahre.

Oever tien Minüte hät et noch gedüürt,
dann soagen on hörde wej dän Zug komme.
Wie dän Man bovendrin die Lok wael stüürt?
Ek wor so gaern es nor öm hoch geklomme.

Opa greep mej faster aen dän Aerm
on trock mej en beche van de Gleijse tröck.
Mej wird et afwaesselnd kalt on waerm
on man woss nit, was et Aengs of Glöck.

Ek hat se bes nauw blos van wits gesiehn,
soen groote Lok met so völ Waoges drachter.
Sej miek Gedrüss on kwalmde wie vör tien,
min Hardt schlug weld on nit völ sachter.

Die Lok – waell düsend Zaentner schwoar –
die schnüfde, spejde on stonk naes de Höll,
dorbej so staerk on gau näs dän Düwel wor,
die kriste schandaolig on dan stond sej stell.

Mej blev waenig Tid öm genau te kieke,
Opa trock mej waeg van de Düwelsmaschin,
noar de Waoges, wo Lüj de Dören opmieke
on daude mej stracks met beije Haend rin.

Dor satte wej twee nauw op en höltere Bank
on liete met aene läre Riem en Fenster ronder.
Glik was bennendrin dän saelve Gestank,
bej dän Kwalm on Rook wor dat ken Wonder.

Ek woll alles siehn, met de Kopp noar bütte
on Opa riep, nauw makt et Lock mar waer tu.
Alles floag vörbej, Burenhüüs, Menssen on Tütte,
Bööm on Weijepoel on völ schwartbonte Ku.

Öm de halve Waelt hat ek noch faohre welle,
den Zug braemste on dann wore wej al dor.
Te Fuut nor Ohme Jan hörden ek Opa vertaelle,
mar ek docht blos draon, wie de Zugfaohrt wor.

Ek erlaevde en Stöckske van de groote Waelt,
so witt weg van T’huis wor ek saelde gewaes.
Vandaog on frugger noch wechtiger as Gaeld,
es de Faohrkaort – nor Kävele tröck – in de Täss.

Ons Kävele (Johannes Derks)

Voer kortem sin ek noar Kävele gefaohre
– want ohne Kävele kann ek nit bestohn –
on wie ömmer in de letzte vertig Joahre,
fond ek et, as wor ek gistern oers gegohn.

Maenniges es anders, dat es wael woahr,
et Alde best bewaohrt on Nejes büttenröm.
Neje Stroate – man kömt hos nimmer kloar –
doch Kerke on Kapaell noch meddendrin.

Kävele wor ömmer en besondere Stadt
on sej gehörde de Kävelse noch nie alle an;
sej versörgt düsende Pilgers on mekt se satt
on laeft ok gut dorvan, so wie ek mean.

Wor döck en Klock of blos en Klöckske lüjt,
van maerges fruch bes in den Oavend;
wor Kerk on Heimat de Mensse wat bedüjt,
of et nauw Possen es of Fasteloavend.

Dat es de Stadt, dat es de Kävelse Menss;
min alde Scholl, ons Basilika on Kapaell;
de Kerkhoff, wor ek aens te roeste wönss,
onder grüne Bööm met en fleutende Maell.

Vör mej als Büwke wor Kävele die Stadt,
met gepflasterde Stroote on groote Hüüs,
wor ek als Burejöngske nit völ te süken hat,
blos Scholl on Kerk on dann gau noar Hüss.

On nauw mot ek af on tu noar Kävele gohn,
met de Mensse keure on froage wie et gett.
Op de Kerkhoff bej Aelders on Söster stohn,
on waer es kieke, of St. Hubertus noch stett.

Et es bes vandaog min Kävele gebleve,
en lebaendige Stadt, ok in den nejen Tid.
Völ Nejes wor gedocht on opgeschreve,
mar et blev wie et wor, mehr well ek ok nit.

Ganz Deutschland mag Kävels Platt, Teil II

Am 1. März 09 habe ich eine Übersicht der deutschlandweiten Zugriffe auf www.kävelsplatt.de veröffentlicht. So sah das damals aus:

deutschlandkarte_010309

Heute habe ich noch mal einen Blick in die Statistik geworfen und erfreulicherweise festgestellt, dass noch mehr Leser aus der ganzen Republik dazugekommen sind. Das ist der heutige Stand:

Deutschlandkarte_210909

An dieser Stelle also mal: Vielen Dank an alle Leser! 🙂

Dat gej’t waett (Johannes Derks)

Kom benne, wej motten nit hier bütte stohn,
ek kos ons gau aen Taesske Koffie maoke.
En Ürke haej Tid – dann köj’a waer gohn –
on wej koenne öwer det on dat quaoke.

Wej sün ons völ’ste saelde, denk ek maej,
wej kossen ons doch hier on dor es traeffe.
Op de Dür allean, dat woar doch schaej,
on bej den Aerbejt blos knojen on kaeffe.

Ek freu’ mej ömmer, wenn ek ow es sünn,
woröm dat so es, kann ek ow nit saegge.
Staendig denk ek aen ow, egaol wat ek dün,
dat mot doch waell aen ow Waese legge.

Dat häw ek ow al laenger es saegge welle
– man es doch ok söns nit so ärg verlaege –
gej soelt et weate bevör et de Lüj vertaelle
on ek hoap doch, gej hät nex dorgaege.

Et es ken Wonder dat ek so blijgemut sin,
wat gej weate mot es gesagg van mej
on wat anders fällt mej so gau ok nit in.
Aewel saegg doch, wat denkt dann gej?

Kävels Platt weltweit

Kürzlich schrieb mir eine gebürtige Kevelaererin, die mittlerweile in Berlin wohnt, dass sie mit ihrer Familie jedes Jahr am St.Martinstag „Wor hör ek thüss“ singt – und diesen Brauch selbst in den Zeiten pflegte, als die Familie im fernen Kanada lebte. Es freut mich zu hören, dass das Kävels Platt so noch lebendig gehalten wird!

Haben Sie vielleicht Ähnliches zu berichten? Ich würde mich freuen, davon zu hören! 🙂

„Kur-Zentrum“ von Willi Rommen

Et wirt överlacht, lang ess et all her,
in Kävele mot en Kur-Zentrum her.
Op de Hüls, dor soll dat Deng well stohn,
völ Tid ess dabej all in et Land gegohn.

Man hät lang öwerlacht, gedohn, gemete,
doröwer soll man dat bohre niet vergete.
Op ens koam erne Bohrer, gebohrt wird ör later,
sej wolle ja komme op völ Water.

Et wird ja gebohrt, so märnege Stond,
op ens was et geschafft, sej koame op Grond.
Op ens spödde Water ütt et Rohr,
et water wass get, et Water wass kloar.

Lang ess et all her, et wird völ dröm geschrewe,
ek hop, dat ek et kann noch erlewe.
Dat et Kur-Zentrum op de Hüls entstett,
dat wass vör Kävele on Ömgebung so nett.

„Minn Heimatstädche“

Wie im ersten Eintrag dieses Blogs schon erwähnt, sollen hier auch Leute aus den einzelnen Ortschaften zu Wort kommen – nicht nur Einwohner von „Kevelaer-City“. Dankenswerterweise hat mir Gerhard Hanenberg aus Kervenheim das Heftchen „Dönekes üt Kervenheim än Drömherröm“ mit seinen Texten und Gedichten zur Verfügung gestellt. Kervenheim ist hiermit also vertreten!

Als Erstes veröffentliche ich hier sein Gedicht „Minn Heimstädche“ aus dem Jahr 1980:

„„Minn Heimatstädche““ weiterlesen

Kävels Platt als kleverländischer Dialekt

Die Dialekte am unteren Niederrhein und in einem unmittelbar benachbarten Streifen der Niederlande bilden zusammen die kleverländische Dialektgruppe. Typisch kleverländische Wörter sind beispielsweise Ääk ‚Essig’, Look ‚Zwiebel’, Stääkbes ‚Stachelbeere’ oder Steekelferke ‚Igel’. Auch Pock ‚Schwein’ ist hier beheimatet.

Kleverlaendisch_web-300Für die Abgrenzung vom Westfälischen (im Osten), vom Südniederfränkischen (im Süden) und vom Brabantischen (im Westen) bieten sich drei Linien an. In den westfälischen Mundarten hat man den „Einheitsplural“, es gibt es nur eine Entsprechung für hochdeutsches ‚wir fliegen’, ‚ihr fliegt’ und ‚sie fliegen’: Die westfälische Einheitsform endet auf -t, sie ist östlich der „Issellinie“ beheimatet. Das Kleverländische endet im Süden an der berühmten „Uerdinger Linie“, die nördliches eck und südliches ech ‚ich’ trennt. Eis (standardniederländisch ijs) heißt im Kleverländischen Iss oder Ies: In den Wörtern, in denen in den brabantischen Dialekten aus einem ursprünglichen langen i ein Zwielaut (Diphthong) geworden ist, hat das Kleverländische das i (lang oder kurz) bewahrt. Auf der Karte ist die Grenzlinie zwischen kleverländischem Iss/Ies im Osten und den brabantischen Formen im Westen eingezeichnet.

Auf der niederländischen Seite der Grenze kann man also die Dialekte im Norden der Provinz Limburg (Venlo, Venray, Gennep), im Nordosten der Provinz Noord-Brabant (zwischen Gennep und Grave), im Gebiet um Nimwegen und die Dialekte des Liemers (um Zevenaar) zum Kleverländischen rechnen.

Südlich von Kleve ist die sogenannte Pfälzische Dialektinsel eingezeichnet. Sie umfasst die drei Dörfer Pfalzdorf, Louisendorf und Neulouisendorf, in denen Dialekte gesprochen werden, deren Wurzeln im Hunsrück liegen. Entstanden ist die Dialektinsel, nachdem sich hier 1741 Menschen angesiedelt haben, die eigentlich nach Amerika auswandern wollten, aber von den niederländischen Behörden an der Weiterreise gehindert worden waren. Es ist erstaunlich, wie stark sich die Dialekte dieser drei Dörfer noch heute vom Kleverländischen unterscheiden.

Innerhalb des Kleverländischen gibt es unüberhörbare Dialektunterschiede, oft von Dorf zu Dorf. Das Kevelaerer Platt geht mal mit dem Norden, mal mit dem Süden. In Wörtern wie Iss, Titt „Zeit“, bitte „beißen“ oder schmitte „schmeißen“ hat der Dialekt Kevelaers wie in Kleve das kurze i. In Nieukerk sagt man dagegen Ies, Tiet, biete, schmiete. In Goch oder Kevelaer ist Hüss „Haus“ oder Krütt „Kraut“ zu hören, in Straelen oder Vluyn Huus oder Kruut. Je weiter man nach Norden kommt, desto häufiger wird das ü: brunn „braun“ ist Kävels Platt, brünn gehört in die Klever Ecke.

Nord-Süd-Staffelungen prägen das Kleverländische. Eck „ich“ und minn „mir/mich“ sind im Norden beheimatet, in Kevelaer sagt man eck und mej, weiter südlich dann eck und mech. In Krefeld, unmittelbar südlich der Uerdinger Linie also, sind ech und mech zu hören, die aber schon rheinisch, also wie esch und mesch, klingen.

Zu den prägenden, wenn auch vielleicht nicht besonders auffälligen West-Ost-Gegensätzen im kleverländischen Dialektgebiet gehören Fälle wie bitte – bitten „beißen“, lope – lopen „laufen“ oder Menze – Menzen „Menschen“. In Kevelaer wird das alte n im Auslaut (mit bestimmten Ausnahmen) weggelassen, das in den meisten Dialekten am rechten Niederrhein und auch im Raum Moers regelmäßig erhalten ist. ,Gän Berge schnejbelaeje’ und ,Voerbej an grote Staeje’: Wer in Kevelaer kennt sie nicht, diese beiden Verse aus der ersten Strophe des Heimatliedes von Theodor Bergmann. Im Osten des Kleverländischen könnten sie gar nicht reimen, weil dort Staeje „Städte“ und belaejen „beladen“ nebeneinander stehen würden.

Georg Cornelissen
(LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte, Bonn)

Nierswanderwäg (Willi Rommen)

Kriegt gej et Sondags ess in de Kopp,
en schmitt de Fiets op et Auto drop.
Gej mot ja henn, en ok wär tröck,
dröm parkt et Auto in Wesse an de Bröck.

De Fiets van et Auto, öwer de Stroot ganz schräg,
de Trapp heronder op de Nierswanderwäg.
Dann geht et loss, so gut jeder kann,
met de Fiets geht et op Wees opan.

In Wees dör den Dierpark, an de Sportplätz vorbej,
wej komme int treje, et Gedräng ess vorbej.
Gej sütt noch meer Fietsers, wo komme sej all her,
wej halde et evkes bej Jan an de Fähr.

En Körnche en Bierke, dat mot ja well sinn,
dann träje wej werr kräftech in de Pedale herin.
Kalbeck sütt man in et vorbejfoahre noch,
dann geht et wier in Richtung Goch.

Van Goch geht et dann wier in Richtung Palz,
de Tong hängt ons langsam ütt den Hals.
Bej de „Sandwirt“ stocke wej ok noch aan,
enn Schlückske wört dor noch gedaan.

Dann gett et wier, ohne erne Wessel,
van wiets sütt man dat Dörpke Kessel.
In Kessel, dat mot gej all ja weete,
wärt dann Meddags Spargel gegeete.

Nor et Eete erne lekkere Affsacker noch,
dann geht et wär tröck in Richtung Goch.
Kommt later gej in Wesse wär aan,
dann häch gej en moje Fietstour gedaan.